Hast du schon einmal eine Nacht durchgemacht? Nicht geschlafen bis dann der Morgen kam? Vielleicht, weil du aus Sorge und Kummer kein Auge zutun konntest.
Weil Schmerzen deinen Körper so geplagt haben, dass er keine Ruhe fand. Weil du am Bett eines anderen wachen musstest, damit er Ruhe fände. Vielleicht aber auch, weil du nicht schlafen wolltest, weil du gerade in dieser Nacht die Lebendigkeit deines Lebens kosten wolltest.
Hast du dann, als es langsam hell wurde und das Fieber der Nacht vorbei, auch den Trost gespürt, wenn das Licht die Dunkelheit ablöst. Und du nicht mehr leuchten musst? Abgelöst und gleichzeitig aufgehoben. Wie die verblassenden Sterne am Himmel. Vielleicht war es so.

Als es dunkel wurde auf unsrer Seite der Welt, der eisige Wind draußen noch kälter, auf den Straßen Glätte und Nebel, in den Winkeln der Stadt schwarze Schatten, als sich Tier und Mensch im warmen Nest verkrochen hatten, da tanzten wir hinaus in die Nacht. Funkelten und glühten auf wie die Augen einer Wildkatze im finsteren Wald. Je tiefer die Finsternis, um so feuriger unser Strahlen. Je kälter die Nacht um so heißer unser Herz und Hirn. So wie die Sterne nur in der Nacht funkeln und leuchten, brauchten wir die Finsternis als Raum und Zeit unsres Scheinens. Weil es dunkel ist, leuchteten wir auf. Weil alle schlafen, durften wir wach sein. Weil die Welt verstummt ist und schweigt, sangen wir und redeten viel.

Zuerst merkten wir nicht, wie die Finsternis flieht. Das Schwarz der Nacht weicht dunklem Blau. Die Sterne werden blasser. Blass unsere Gesichter im neuen, blauen Licht. Einen Moment lang begrüßt das Lampenlicht die Sonne. Wir werden stiller. Ein Vogel zwitschert. Jetzt brauchen wir keine Worte mehr. Wir verstehen uns. Friede und Ruhe. Der Morgen ist gekommen. Klar und weich und rar.

Als es heller wurde auf unserer Seite der Welt, die Luft frisch und rein, im Schnee glitzern Sonnenstrahlen, die Straßen sind noch leer, aber in den Bäumen singen die Tiere - kamen wir zur Ruhe. Getrost und aufgehoben in einem neuen Tag. Das Fieber der Nacht ist plötzlich verklungen. Wir sind zart und liebevoll abgelöst worden. Unwiderstehlich wie das Lächeln eines kleinen Kindes, so kam das Licht in unsere Welt. Als ein Kind, als das Licht. So kam Gott in seinem Sohn, um uns aus der Finsternis zu lösen. Was für ein wunderbares Geschenk! Wir können und brauchen gar nichts tun oder sagen. Es ist mitten unter uns gekommen unvermutet und wie in einem sanften, stillen Sausen. Er will uns nicht niederschmettern durch Sturm, Erdbeben oder Feuer. Er hat uns schon gewonnen durch das Licht seiner Liebe, dadurch sind wir befreit, bewahrt, getröstet. In diesem Moment und jeden Morgen neu. So ist er in die Welt gekommen als ein Kind, als das Licht, so liebt er uns und so wird er einst wieder kommen. Wir dürfen ruhig und heiter sein.
Liza